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Wenn die Pläne nicht stimmen: Vermessung fürs CAD

VON EINSZUEINS

Als Elmar Stroh von der IHK Koblenz CAD-Dateien für ein Gebäude bei uns beauftragte, konnten wir lediglich auf einige ältere Bestandspläne zurückgreifen. Sie enthielten vage Flächenmaße, Raumbelegungen und Funktionen, teils handschriftlich eingefügt. Diese Informationen waren nicht ausreichend, um daraus aussagekräftige CAD-Pläne zu erstellen. Die notwendigen Maße mussten erst beschafft werden: Stichwort Vermessung.

Wann muss vermessen werden?

Immer dann, wenn keine aktuellen, korrekt aufgestellten, präzisen Bestandspläne eines Objektes vorliegen. Genaue Plangrundlagen sind die Basis jeder Veränderung, Umbaumaßnahme und Planung am Gebäude. Sind die Plangrundlagen ungenau, kann es schwierig werden. Gebäudevermessung ist relevant für Architekten, Ingenieure, Bauherren, Gebäudebewirtschafter. Insbesondere bei der Verwaltung großer Gebäudekomplexe, bei Mietflächen für Gewerbe und Wohnungen, für Reinigungsflächen, für die digitale Archivierung generell und insbesondere für umfangreiche Gebäudebewirtschaftungs-Systeme (CAFM).

Dank modernster digitaler Technik können heute Gebäude jedweder Art, Form und Größe präzise erfasst und vermessen werden. Die Vermessung reicht nach Bedarf von der Kontrolle einzelner unstimmiger Maße bis zum vollständigen Neuaufmaß. Bei dem IHK-Gebäude im Stadtkern von Idar-Oberstein handelte sich um ein Geschäftshaus, das von der IHK Koblenz als Regionalgeschäftsstelle und Weiterbildungsstätte genutzt wird. Bestandspläne lagen vor, daher wurde als erster Schritt ein Kontrollaufmaß angesetzt.

Unstimmigkeiten per Kontrollaufmaß abklären

“Kontrollaufmaß bedeutet, bereits vorhandene Pläne werden geprüft und bewertet”, erklärt einszueins-Firmeninhaber Götz Schneider. “Wir führen auf 10% stichprobenartig Messungen durch. Die Messbereiche sind verteilt über alle Geschosse und Flächen. So können wir sehen: Stimmen die vorhandenen Pläne mt den aktuellen Messdaten vor Ort überein? Sind die Pläne vollständig? Sind sie für den gewünschten Zweck brauchbar?” (Abbildung Bestandsplan: IHK Koblenz)

Der praktische Ablauf des Kontrollaufmaßes ist abhängig von der Größe und Struktur des Gebäudes. Er bewegt sich zwischen händischen Kontrollmessungen einzelner Räume über die tachymetrische Messung der Gebäudestruktur bis zur umfangreichen Erfassung mit einem Handscanner. Anschließend werden die gemessenen Daten im CAD ausgewertet. “In geringem Umfang kann dabei ein Neuaufmaß von Änderungen einfließen”, so Götz Schneider. “Bei einszueins dokumentieren wir Unstimmigkeiten, ggf. neue Teil-Aufmaße, zeichnerische Ergänzungen oder Anmerkungen im Text in den vorhandenen CAD-Zeichnungen auf separaten Layern. Wir markieren die Bereiche, in denen die Vorlagen eine deutliche Abweichung von der Situation vor Ort zeigen. Dieses Vorgehen hat sich bewährt.” Beim Projekt der IHK Koblenz stellte sich das Kontrollaufmaß als zu ungenau heraus, denn in den alten Bestands-Plänen fehlten die meisten Maße ganz. Ein Vollaufmaß des gesamten Gebäudes brachte das gewünschte Ergebnis.

Bestandsaufnahme: Mittels Vollaufmaß komplett neue Pläne erstellen

“Das Gebäudeaufmaß wurde für uns nötig, da die Daten in ein bestehendes CAFM-System übertragen werden sollen.“, beschreibt Elmar Stroh von der IHK Koblenz den Projektablauf. „Da es keine verlässliche Dokumentation des Gebäudes gab, mussten für die Zukunft verwertbare digitale Daten geschaffen werden, die bei Umbaumaßnahmen wertvolle Informationen liefern können. Die Vermessung lief reibungslos und ohne Probleme.” (Foto: IHK Koblenz)

Bei einem klassischen Gebäudeaufmaß wird das gesamte Gebäude neu ausgemessen und anschließend anhand der Maße in 2D-Grundrissen erfasst. Außderdem werden alle relevanten Schnitte und Fassadenansichten erstellt. Insbesondere wenn Gebäude im Rahmen eines Facility Management-Systems (CAFM) digital verwaltet werden sollen – wie bei der IHK vorgesehen – sind präzise Plangrundlagen von höchster Beudeutung. Sie enthalten schlussendlich nicht nur korrekte Gebäudemaße, sondern viele zusätzliche Daten, mit denen die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes ermittelt werden kann. Wird ein 2,5-D-Aufmaß erstellt, kommen außerdem Höhenmessungen hinzu und werden eingearbeitet. So können auch Fußbodenhöhen, Höhen der Decken, Brüstungen, Unterzüge usw. dargestellt und berechnet werden.

Die Vermessung planen

Meist im Team, im sogenannten Messtrupp, geht es mit moderner technischer Ausrüstung dann direkt ins Gebäude. (Fotos: Trigis – Die Welt der Geodaten)

Ob Kontrollaufmaß oder Vollaufmaß – die Messungen selbst führen immer ausgebildete Vermessungstechniker, Vermessungsingenieure oder Geomatiker durch. Im Vorfeld werden ggf. vorhandene Unterlagen wie Bestandspläne, frühere Vermessungen, Karten, Luftaufnahmen hinzugezogen. Besonders wichtig ist die präzise Abstimmung mit Kunden und Nutzern der betreffenden Gebäude. Denn mit der Vermessung muss schließlich jeder einzelne Raum betreten werden. Hier gilt es, die Zugänglichkeit zu sämtlichen Gebäudeteilen und Räumen rechtzeitig anzumelden, Zustimmungen der Grundstückseigentümer einzuholen, Termine mit Mietern zu vereinbaren und vorab zu planen, um einen effektiven Arbeitsablauf zu gewährleisten und vollständige Messdaten zu erhalten.

Vor-Ort -Begehung mit Fachleuten und spezieller Vermessungstechnik

Ganz praktisch beginnt die Vermessung in der Regel mit den Außenmaßen eines Gebäudes. Häufig wird hier moderne UAV-Technik (a.d.Engl.:  unmanned aerial vehicle, unbemannte Luftfahrtechnik) in Form von Drohnen eingesetzt. Es folgt die komplette Begehung sämtlicher Räume. „Der Einsatz der Vermessungsgerätschaften richtet sich nach dem zu fertigenden Produkt und nach der Struktur des Objektes“, beschreibt Marc Orlamünder, Ansprechpartner für Gebäudeaufmaße bei Trigis – Die Welt der Geodaten den Arbeitsablauf. „Zum Einsatz kommen Tachymeter, Laserscanner sowie Handscanner. Die Systeme sind gekoppelt mit Laptops oder Tablets. Daten können so vor Ort geprüft und bereits qualifiziert werden.” Beim Messen dürfen keine Fehler passieren, denn jede noch so kleine Abweichung macht die Messung untauglich. Die Spezialisten des Messtrupps müssen sich untereinander genau abstimmen. „Bei uns erfolgt die anschließende Bearbeitung der Messdaten mit Lenovo Workstations und diversen Softwareprodukten und Leica, Trimble und Autodesk-Produkten“, berichtet Herr Orlamünder.

Am Ende zählt das Ergebnis!

 

Mit den neu ausgemessenen Daten werden vorhandene Pläne aktualisiert oder neue CAD-Bestandspläne erstellt. Das IHK-Geschäftshaus in Idar-Oberstein ist nun durch vollständige und aktuelle Plangrundlagen bestmöglich dokumentiert. (Abbildungen CAD-Pläne: einszueins)

Anhand der Vermessungsdaten sind die Grundrisse jetzt präzise ausgearbeitet und enthalten alle relevanten Maße. Es wurden individuelle Kundenspezifikationen in die CAD-Dateien eingearbeitet sowie Schnitte und Ansichten ergänzt. Die fertigen Grundrisse enthalten zusätzlich Raumstempel, die schnell und präzise Auskunft geben u.a. über Raumnummern, Flächenmaße und Nutzungsarten, zu Böden, verwendeten Materialien oder Beleuchtung sowie Brandschutzklassen. Eine gute Grundlage für das CAFM für die nächsten Jahrzehnte. Und das gilt auch für kompliziertere und große Gebäudekomplexe wie Krankenhäuser und Kliniken, Schulen, Kirchen und Museen, Industrieanlagen oder eine Shopping-Mall mit organisch geformter Architektur. Für schwierigem Baubestand, denkmalgeschützte Häuser, Industrieanlagen und schwer zugängliches Gelände.

Für jedes Vorhaben gibt es die passende Vermessungs-Technologie, idealerweise Hand in Hand mit der CAD-Erstellung – für ein Höchstmaß an Effizienz und Wirtschftlichkeit. Schon gewusst? Sämtliche Vermessungsleistungen übernehmen wir für Sie mit. Fragen Sie einfach nach.

Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen bei Ihren Vorhaben!

Ihre Ingenieure für Digitalisierung

Wir sagen herzlichen Dank an Elmar Stroh und Marc Orlamünder für die freundliche Unterstützung bei diesem Beitrag!

 

 

Für große Firmen und Konzerne: Maßgeschneiderte Lösungen bei der Auftragsabwicklung

VON EINSZUEINS

 

Individuelle Auftragsabwicklung:

Haben Sie besondere formale Anforderungen an Ihre Bestellung oder Auftragsabwicklung? Wir vereinbaren mit Ihnen gern individuelle Lösungen oder einen speziellen Rahmenvertrag für Ihre Planbestellung.

Rechnungen nach Ihren formalen Vorgaben:

Haben Sie viele Einzelaufträge und benötigen bspw. eine zusammengefasste Monatsrechnung? Oder möchten Sie abweichende Zahlungsbedingungen vereinbaren? Gern besprechen wir mit Ihnen mögliche Sonderkonditionen.

Extra Kundenbereich:

Sie erhalten von uns einen persönlichen Kundenzugang, über den Sie CAD-Pläne jederzeit hoch- bzw. herunterladen und Ihre CAD-Dateien mehreren Mitarbeitern gleichzeitig zur Verfügung stellen können.

Vertraulichkeit und Sicherheit:

Der Schutz Ihrer persönlichen Daten hat für uns Priorität. Wenn erforderlich, schließen wir mit Ihnen eine Vertraulichkeitsvereinbarung oder unterzeichnen eine Geheimhaltungserklärung.

Persönliche Beratung:

Wir machen es großen Unternehmen leicht und ermöglichen individuelle Lösungen für die Bestellung von CAD-Plänen und die gesamte Projektabwicklung. Sprechen Sie uns einfach an!

 

 

Architektur-Studenten planen Centraal Beheer von Herman Hertzberger um

VON EINSZUEINS

Vor kurzem haben wir CAD-Pläne für die Hochschule Kaiserslautern vektorisiert. Dort hatten Studierende der Architektur die Aufgabe, ein Gebäude von einem der interessantesten Architekten der Gegenwart umzuplanen: Den Büro-Komplex Centraal Beheer in Apeldoorn/Niederlande von Herman Hertzberger. Hertzberger hatte das Verwaltungsgebäude für eine Versicherungsgesellschaft ursprünglich für 1000 Nutzer entworfen. Nutzfläche: 30.536 m².

Die Aufgabe:

Für die Gebäudestruktur des 1. Bauabschnittes sollten die Studierenden Potenziale einer Nutzungsänderung ausloten. „Inspiriert wurde die Aufgabe vom Architekten Herman Hertzberger selbst, dessen Büro bereits untersucht hatte, das Bürogebäude, das heute fast vollständig leer steht, zu einem Wohngebäude umzunutzen.“, erzählt Architekturstudent Oliver Zwick, dessen Entwurf zu den drei besten gehört.

Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Hamann vom Fachbereich Bauen und Gestalten an der Hochschule Kaiserslautern hatte die Aufgabe bewusst nicht als realisierbare Bauplanung ausgelegt. Vielmehr ging es um einen Ideenwettbewerb. Abstands- und Brandschutzflächen beispielsweise mussten bei der Umnutzung nicht eingehalten werden. Vorgegeben war die konstruktiv-räumliche Struktur und die Geschlossenheit der Gesamtanlage des Centraal Beheer. Als Ausgangsmaterial dienten den Studenten Außen- und Innenaufnahmen des Gebäudes, Zeichnungen und vektorisierte CAD-Pläne.

Fotoaufnahmen Centraal Beheer

Die ehemalige „Werkstatt für eintausend Menschen“:

Der 1. Bauabschnitt des Centraal Beheer wurde 1968 bis 1972 realisiert. Später wurde der Komplex – von Hertzberger selbst – nochmals erweitert, steht seit 2013 aber leer. Verschiedene Umbau-Ideen konnten aufgrund bürokratischer Hindernisse bisher nicht umgesetzt werden. Centraal Beheer gilt als bedeutendes Beispiel von Hertzbergers strukturalistischer Bauweise. Das Prinzip: eine sinnvolle, durchlässige Gebäudestruktur schaffen, die eine Vielzahl von Funktionen zulässt und von den Benutzern selbst zu Ende gedacht und “gefüllt” werden kann.

STRUKTURALISMUS ist eine Architektur-Richtung in den Niederlanden ab den 60er Jahren, Zeit des gesellschaftlichen Wandels, hin zu offeneren demokratischen Strukturen – auch in der Architektur. Statt Raum wird der Begriff der Form hervorgehoben. Nicht als Erscheinungs-Form, sondern als Trägerin von Inhalten, Bedeutung, Werten. Die Form kann damit befüllt, aber auch wieder entleert werden, ohne sich wesentlich zu verändern. In solch einem Gefüge aus Formen soll jeder Nutzer eine individuelle Wahl treffen können. Für den Wohnungs- und Bürobau heißt das: Bau-Elemente, Materialien, Dinge so gestalten, dass sie für mehrere Zwecke geeignet sind. Jeder Nutzer soll persönlich darauf reagieren, sie auf eigene Weise interpretieren und die Form befüllen können. Eine viel zitierte Definition von Hertzberger: „Beim Strukturalismus wird ein Unterschied gemacht zwischen einer Struktur mit langem Lebenszyklus und Einfüllungen mit weniger langem Zyklus.“

Das Raumsystem des Centraal Beheer beruht auf einem dreidimensionalen Gitterraster und setzt sich aus 56 quadratischen, drei- bis fünfgeschossigen Raumeinheiten zusammensammen, jeweils neun mal neun Meter groß. Aus diesen Bausteinen entstehen Gruppen quadratischer Büroinseln. Dazwischen durchstoßen offene Lufträume das Gebäude in voller Höhe. Die großzügige Belichtung mit Tageslicht schafft Außenraum-Atmosphäre.  Zahlreiche Durchgänge erschließen den Gesamtraum und schaffen komplexe Blickbeziehungen. Angrenzende Bereiche wie Balkone, Brücken und Galerien sind offen und dienen als Besprechungszonen, Treffpunkte und zur Entspannung.

Die Umgestaltung zum Wohnkomplex:

Bei der Umgestaltung des Bürokomplexes für eine Wohnnutzung wurde schnell klar, dass man einige Veränderungen am Gebäude vornehmen muss, erklärt Student Oliver Zwick. „In meinem Fall waren die ersten Schritte das Herabsetzen des Daches auf EG-Niveau und das Absenken einiger äußerer Gebäudeteile, um eine Belichtung und Belüftung der entstehenden Wohnungen zu ermöglichen. Auch im Innern wurden Teile entfernt, um Innenhöfe für die Belichtung zu schaffen.“

Entwürfe (Auszug) von Oliver Zwick

Der schwierigste Schritt war die Erschließung. Oliver Zwick hat diese komplett neu entworfen. „Ich habe dies mit kreuzförmigen Treppenhäusern inklusive Aufzugsschacht gelöst, die in den Lücken zwischen den einzelnen Gebäuden sitzen. In den unteren Etagen, die schwer zu belichten sind, wurden Mischfunktionen und Lagereinheiten plaziert, die nicht zwingend auf Tageslicht angewiesen sind.“ Die Wohnungen selbst bestehen aus einem bis drei der 9 x 9 Meter großen Quadrate. Oliver Zwick hat vier Wohnungstypen entwickelt, die wiederholt angeordnet sind. In fast allen Wohnungen ist der Zugang zu einer der großzügigen Dachterrassen möglich. Die obersten Terrassen können zusätzlich angemietet werden.

Auch Anke Deutschmann und Julia Hoch haben in ihren Entwürfen verschiedene Wohnungs- und Raumtypen – beispielsweise Maisonetten-Typologien – entwickelt und temporäre Wohnformen wie Hotel, Studenten- und Altenwohnheim in den Komplex integriert. Einkaufsmöglichkeiten, Restaurant, Fitnessstudio, Parkbereiche u.a. ergänzen das Angebot im Gebäude. Flexibel nutzbare Zwischenzonen können als Räume für Begegnung, Verwaltung oder verschiedene Gemeinschaftsinteressen dienen.

oben: Entwurf (Auszug) von Anke Deutschmann, unten: von Julia Hoch

Am Ende war Architekt Herman Hertzberger selbst positiv angetan von den Entwürfen, wie er den Studierenden mitteilte. Schon viele Hochschulen haben Centraal Beheer als Untersuchungsobjekt für neue Anwendungen genutzt. Für Hertzberger eine Bestätigung, dass eine strukturalistische Gebäudeform für unterschiedlichste Nutzungen geeignet ist – genau so, wie es ursprünglich gedacht war.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht mit dem Centraal Beheer.

Wir bedanken uns bei Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Hamann, Oliver Zwick, Anke Deutschmann und Julia Hoch für die freundliche Unterstützung und die Zurverfügungstellung von Informationen zum Projekt sowie Entwürfen und Bildmaterial für diesen Beitrag.

Raumbücher: Verwendung, Aufbau, Vorteile

VON EINSZUEINS

In einem Raumbuch werden die zeichnerischen Grundlagen (Pläne) eines Gebäudes mit einer zusätzlichen Baubeschreibung klarer definiert. Detaillierte Rauminformationen helfen, Missverständnisse in der Planung und Verwaltung zu vermeiden. In der Vergangenheit waren Raumbücher tatsächlich haptische Bücher mit einer Seite pro Raum. Heute bestehen sie aus komplexen Datenbanken. Darin werden die einzelnen Räume mit ihren allgemeinen Merkmalen, Abmessungen und vorgesehenen Nutzungen erfasst.

Je komplexer ein Gebäude ist, desto detaillierter und gehaltvoller ist das Raumbuch. Zu einem Raumbuch gehören neben einer Identifikationsmöglichkeit (Raumnummer) auch Angaben zur Lokalisierung des Raumes (Standort, Gebäude, Geschoss), zur vorgesehenen Nutzung, zur Ausstattung (Anschlüsse, Einbauten, Geräte), Angaben zu Gestaltungsmerkmalen (Materialien), Abmessungen (Grundfläche, Umfang) sowie Reinigungs- und Glasflächen des Raumes.

Raumbücher und ihre Verwendung

Raumbücher begleiten ein Gebäude von der Planung über die Realisierung bis hin zur späteren Nutzung und Verwaltung. Je nach Gebäudestatus sind unterschiedliche Daten und ein zweckorientierter Detaillierungsgrad von Bedeutung. Raumbücher lassen sich in drei Kategorien einteilen.

1. Das planungsbegleitende Raumbuch (Entwurf): Ein planungsbegleitendes Raumbuch ist ein hilfreiches Instrument für die Arbeit des Architekten. Hierdurch lässt sich der Raumbedarf eines Gebäudes im Vorfeld schnellstmöglich und strukturiert ermitteln. Planungsbegleitende Raumbücher enthalten als Pflichtenheft des Bauherrn die Nutzungsanforderungen. Für die Erstellung des Raumprogrammes sind in erster Linie Flächen und Funktionsbeziehungen von Interesse. Darüber hinaus liefert ein planungsbegleitendes Raumbuch Informationen für eine erste Kostenschätzung.

2. Das baubegleitende Raumbuch (Ausführungsplanung): In der Bauphase sind alle Details zur technischen Gebäudeausrüstung von großem Interesse. Mengen und Kosten liefern die Grundlage für die Ausschreibung und die Erstellung von Leistungsverzeichnisse. Das baubegleitende Raumbuch unterstützt die Organisation und Terminplanung der unterschiedlichen Gewerke. Es dient als Kontrollinstrument bei der Bauausführung und als Checkliste für Abnahmeprüfungen.

3. Das Nutzungs- oder Bestandsraumbuch: Das Bestandsraumbuch liefert die Basis für den Aufbau eines Facility- und Change Managements. Es dient einerseits als Grundlage für die Wartung, Pflege und Instandhaltung der Bausubstanz sowie zur Vorbereitung und Durchführung von

Der Aufbau von Raumbüchern

Manuelle Raumbücher: Bei der manuellen Erstellung von Raumbüchern werden die Räume aus den Grundrissplänen heraus manuell in einer Excel-Tabelle erfasst und zusätzliche Daten eingepflegt. Das Raumbuch ist eine eigene Datenstruktur, parallel zu den Plänen. Es bietet sich bei kleineren, wenig komplexen Bauvorhaben an. Bei größeren Bauvorhaben überwiegen sehr schnell die Nachteile. Diese bestehen hauptsächlich in einer fehlerhaften Datenerfassung. Daten werden falsch eingegeben oder Räume vertauscht, Eigenschaften unvollständig zugeordnet. Darüber hinaus liegen die Daten zwei Mal vor. Die parallele Führung von Zeichnung und Liste schafft doppelte Arbeit und erfordert große Disziplin. Werden Änderungen nicht konsequent verfolgt, weisen die Daten sehr schnell Unstimmigkeiten auf.

Raumbücher als Datenbank (CAFM-Software): Bei umfangreichen Gebäudebeständen bietet sich die Verwendung von CAFM (Raumpolygone werden automatisch in FM-Räume umgewandelt, Blöcke mit Attributen übernommen. Die CAFM-Software ermöglicht die automatische Auswertung von Raumflächen, Raumumfang, Blöcken und Bauteilen. In einer Datenbank lassen sich Raumgruppen leichter erfassen und organisieren. Funktionen wie Suchen, Auswählen und Bearbeiten erleichtern die Handhabung.Es können Reports erstellt und in Form von Excel, Word oder PDF ausgegeben werden. In guten CAFM-Lösungen werden vielfältige Prozesse des Facility Management grafisch unterstützt. Räume in Gebäuden werden geometrisch exakt repräsentiert, so dass z. B. nicht nur die Größe der jeweiligen Grundfläche, sondern auch deren Form rechnerintern vorliegt und z.B. in einem Geschossplan grafisch dargestellt werden kann. Einen zusätzlichen Vorteil bietet CAFM-Software mit bidirektionaler CAD-Schnittstelle zwischen Raumbuch und CAD-Zeichnung. Der automatische Datenbankabgleich in zwei Richtungen macht eine doppelte Datenpflege überflüssig. Grundrisspläne und Raumbücher werden synchronisiert und bleiben somit stimmig.

Das Web-basierte digitale Raumbuch: Ein planungsbegleitendes Online-Raumbuch bietet die Möglichkeit des interdisziplinären Arbeitens. Die Datenerfassung erfolgt ortsübergreifend durch alle an der Planung und am Projekt beteiligten Fachleute. Das Raumbuch kann also mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Ob Bauherr, Architekt, ausführende Firma oder Immobilienmanagement, jeder kann sich die benötigten Informationen an einer Schnittstelle darstellen lassen.

Voraussetzungen an die CAD-Zeichnung als Grundlage für Raumbücher

Wichtig für eine optimale Nutzung einer CAFM-Software ist eine sehr gute CAD-Zeichengrundlage. Eine saubere Zeichenstruktur ist Voraussetzung für die Datenextraktion aus den CAD-Programmen in eine CAFM-Software. Die Anforderungen an die Detailtiefe der grafischen Daten steigen mit den zunehmenden Optionen der CAFM-Software. Das Flächenmanagement erfordert geschlossene Polygone, für Ausstattungs- und technische Objekte sind Attribute zu definieren, Raumstempel sind als Blöcke zu erstellen. Dies erfordert neben einer leistungsfähigen CAD-Software ein umfangreiches Knowhow aller CAD-Bearbeiter.

Raumbuch – ja oder nein?

Die größte Herausforderung für eine nachhaltige Verwendung von Raumbüchern und CAFM-Software ist die stetige Fortschreibung und Aktualisierung des Gebäudebestandes. Sobald die Pflege der Raumbücher nach Umplanungen und Veränderungen ausbleibt, ist ein korrektes Management nicht mehr möglich. Bevor man sich für eine Lösung entscheidet, sollte in jedem Fall hinterfragt werden, ob der Arbeitsaufwand bei hoher Detailierung angemessen zum Ergebnis ist.

Das Haus zur Goldenen Waage – Wie digitale Pläne Baukunst fördern

VON EINSZUEINS, ANGELA SABO

Es gibt Momente, in denen selbst eingefleischte Architekten und Ingenieure ins Schwärmen kommen. Mehr als 70 Jahre nach seiner Zerstörung ensteht das Haus zur Goldenen Waage in der Frankfurter Altstadt wieder neu. Viele Details werden durch Zimmerer, Bildhauer und Steinmetzen aufwendig rekonstruiert. Auch digitale Pläne spielen dabei eine Rolle.

Viel Phantasie ist nötig, um sich den Detailreichtum der Stuckdecke vorzustellen, die einst den großen Saal der Golden Waage schmückte. Der Erbauer des Hauses, der wohlhabende Farben-, Gewürzhändler und Zuckerbäcker Abraham van Hamel und seine Frau Anna van Litt ließen sich bei der Gestaltung der prachtvollen Decke unter anderem von den biblischen Geschichten rund um seinen Namensvetter Abraham inspirieren. Heute ist von den wertvollen Ornamenten nichts mehr übrig. 1944 wurde das Fachwerkhaus bei einem Bombenangriff der Alliierten fast vollständig zerstört.

Die Goldene Waage, nachcoloriertes Foto von 1900 (Photochrom)

Die Goldene Waage, nachcoloriertes Foto von 1900 (Photochrom)

Zeitzeugen, die das farbige Original von 1624 beschreiben könnten, gibt es nicht mehr. Nur ein Eckbalken des Gebäudes blieb über die Jahre erhalten. Lediglich wenige, teils verschwommene Schwarzweiß-Fotos und ein alter Stich aus dem 19. Jahrhundert dienten einszueins als Vorlage, als für die Rekonstruktion eine digitale Planvorlage der Stuckdecke her musste. Eine große Herausforderung für Architekten und Ausführende. Zwar sollten nur die Konturen dargestellt werden, doch die Decke besteht aus zahlreichen frei geschwungenen Linien inklusive Schatten und Schraffuren für die räumliche Darstellung – eine rein künstlerische Arbeit, natürlich ohne Maßangaben.

Zusammengesetzte Fotos, CAD-Plan und erste Teile der frisch rekonstruierten Stuckdecke

Zusammengesetzte Fotos, CAD-Plan und erste Teile der frisch rekonstruierten Stuckdecke

Deshalb wurden zunächst nur kleinere Elemente in CAD umgesetzt, die Grundstruktur der Decke. Die größte Schwierigkeit bestand darin, zwischen Konturen und Schraffuren genau zu differenzieren. Welche Linien müssen gezeichnet werden und wie detailliert? Eine rein computergestütze Umsetzung kann das nicht leisten. Wie bei einszueins Standard, kamen Architektenwissen und präzise Handarbeit zum Einsatz. Mit dem Zwischenergebnis war der Auftraggeber so zufrieden, dass einzueins auch die großen Details und Bildszenen im CAD-Plan ergänzen konnte. Eine ungewöhnliche und spannende Arbeit. Anschließend mussten die digitalen Zeichnungen auf den nicht orthogonalen Raum angepasst werden. Erfahrene Handwerker und Bildhauer im sächsischen Ottendorf-Okrilla bauen die prächtige Decke nun nach und ziehen unter anderem erhaltene Stuckdecken aus der damaligen Zeit zum Vergleich heran. Eine gigantische Arbeit unter Leitung des Frankfurter Architekten Prof. Jochem Jourdan, der für den Wiederaufbau der Goldenen Waage jahrelang recherchierte. Doch der ehemalige Festsaal mit seiner besonderen Decke ist nur ein winziger Teil der großen Restauration des geschichtsträchtigen Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert.

Ein Museum der Baukunst – bald wieder für alle da

Abraham von Hameln ließ das Haus Zur Goldenen Waage 1619 für sich und seine Familie fertigstellen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Eckgebäude in der Frankfurter Altstadt eines der Vorzeigehäuser seiner Zeit und gleicht mit seinen aufwendigen architektonischen Details einem Museum der Baukunst. Als besonderer Luxus befand sich auf dem Dach des Hinterhauses das sogenannte „Belvederchen“ (siehe Bild), das den Bewohnern im Sommer ein wenig Kühlung bot. „Jedes Teil hat eine Bedeutung“, sagt Architekt Jochem Jourdan, der die wissenschaftliche und nach Regeln der Baukunst entstehende Rekonstruktion des Hauses leitet. Ein Glücksfall, dass dies überhaupt möglich ist. Machbar nur durch einige erhaltene Dokumente und überlieferte Beschreibungen in Verbindung mit moderner Handwerkskunst und digitalen Technologien. Auch Lasertechnik kommt bei der Rekonstruktion einiger charakteristischer Elemente zum Einsatz. So kann die Goldene Waage in Zukunft auch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Gastronomie und zwei Museen sind geplant. Im Sommer 2018 soll das Haus fertig sein. Der Innenausbau wird noch dauern. Allein für die Montage und die Farbfassung der 37 Quadratmeter Decke sind mehrere Monate vorgesehen. Dann können die Museumsbesucher die prächtigen Ornamente der Decke besichtigen. Wow-Effekt garantiert.

Das DomRömer-Quartier, die neue Frankfurter Altstadt

Mitten im Herzen Frankfurts entsteht das DomRömer-Quartier und bringt frischen Wind in den historischen Stadtkern. Die Goldene Waage ist nur einer der neuen Anziehungspunkte. Wer jetzt schon neugierig ist, findet Informationen zum Stand der Bauvorhaben sowie tolle virtuelle Fotos, Filme und einen Stadtrundgang auf der Internetpräsenz der Dom-Römer-GmbH, die als Bauherrin das Großprojekt in der Frankfurter Altstadt verwirklicht.

CAD-Plan, Ausschnitt

CAD-Plan, Ausschnitt

Historische Gemäuer erhalten digitale “Fundamente”: Zukunftsprojekt Darmstädter Residenzschloss

VON EINSZUEINS

Es ist eines der größten und aufwendigsten Sanierungsprojekte, das die Technische Universität Darmstadt bislang gestemmt hat: das Residenzschloss Darmstadt im Herzen der City. Zum einszueins-Büro nur ein kurzer Fußweg – die CAD-Pläne für das Schloss waren für uns eine Herausforderung mit Tücken und Freuden.

Das ehemalige Schloss der Landgrafen und Großherzöge von Hessen-Darmstadt umfasst vielfältige Gebäude mit einer zum Teil mehr als 600 Jahre alten Baugeschichte. Bereits im 13. Jahrhundert entstand hier die erste Wasserburg. Im zweiten Weltkrieg wurde die komplexe Anlage weitgehend zerstört und bis Mitte der 1960er Jahre wieder aufgebaut. Schon 2008 hatte die TU begonnen, die Fundamente des Glocken- und Kirchbaus zu sanieren, um die Standsicherheit des Schlosses zu gewährleisten. Viele Gebäude haben Risse als Folge der Trockenlegung des Schlossgrabens im 19. Jahrhundert. Seitdem sind die Holzroste, auf denen die Fundamente aufbauen, fast vollständig verfault. Seit 2013 läuft die Generalsanierung des Schlosses. Ein Großprojekt.

Ein Großprojekt wie die Generalsanierung ist nur machbar mit präzisen digitalen Plangrundlagen

Einszueins wurde mit der Erstellung der digitalen Grundlagenpläne beauftragt. Zu Projektbeginn gleich die erste Hürde: Im Archiv ein großer Berg historischer Papierpläne, unvollständig und ungeordnet, vergilbt und verschlissen im Laufe der Zeit. Zu ungenau für die anstehende Sanierung. Gründliche Vorarbeit war nötig. Im ersten Schritt das Sichten und Herausfiltern der aktuellen und relevanten Planbestände. Anschließend das Scannen der teils extrem brüchigen Papiervorlagen. Weil automatisiertes Einziehen der wertvollen Zeichnungen zu riskant war, erfolgte das Scannen ausschließlich von Hand mit Flachbettscannern. Spezielle Folientaschen wurden angefertigt, um die empfindlichen „Schätze“ bestmöglich zu schützen.

Bei der präzisen Übertragung der Papierpläne in digitale Daten zeigten sich unseren Architekten und Ingenieuren schnell gravierende Unstimmigkeiten. Feine Details, bspw. in Skulpturen und verschiedensten Mustern waren auf den Originalen kaum zu erkennen, da sie zumeist freihand mit Bleistift gezeichnet waren. Vor allem aber stimmten die Darstellungen der Grundrisse nicht mit den Schnitten und Ansichten überein. Als Lösung für die Probleme wurde ein partielles Aufmaß durchgeführt und vor Ort neu vermessen. Planbestand und Ist-Maße wurden verglichen, Unstimmigkeiten markiert und korrekte Maße in die neu erstellten digitalen Pläne eingetragen. Für die Sanierungsarbeiten lagen am Ende vollständige, stimmige und geprüfte CAD-Pläne mit allen relevanten Daten vor. Ein digitales Fundament für alle weiteren Baumaßnahmen an der stadtbildprägenden Schlossanlage.

Jetzt steht das Schloss – auch in echt – wieder auf einer sicheren Grundlage

Die wichtige Gründungsinstandsetzung ist inzwischen abgeschlossen. Weitere Maßnahmen sind in vollem Gange. Im Sommer 2017 öffnet der westliche Teil des Schlossgrabens wieder für die Bürger. Vor drei Jahren noch ein verwilderter Un-Ort, ist er zu einer blühenden, Schatten spendenden Parkanlage geworden. Bis 2020 soll die Sanierung abgeschlossen und die komplette Schlossanlage wieder nutzbar und zugänglich sein. Das alte Residenzschloss könnte ein neuer Lieblingsort der „digitalen Stadt Darmstadt“ werden. Wir von einszueins freuen uns, dass wir durch unsere Pläne wie unsichtbar dazugehören.